26 Archaeological Site (Archäologische Stätte) von Guillaume Bijl

Ein Beitrag zum Themengebiet skulptur projekte, geschrieben am 3. September 2007 von Thomas Günther

Foto: Thomas G�ntherDieses Kunstwerk trägt einen anachronistischen Gedanken in sich. Es ist ein Berg aufgeschüttet, von dem aus eine Ausgrabung gestartet wurde. Das erstaunliche ist, dass wenn man in die Ausgrabungsstätte schaut, vergisst man den Berg; auch, dass dieser künstlich ist und gar nur für dieses Projekt aufgeschüttet wurde. Ähnlich wie bei Bruce Nauman verliert man auch bei Archaeological Site von Guillaume Bijl den Bezugspunkt.

Foto: Thomas G�ntherDer belgische Künstler hatte die Idee in einer Stadt wie Münster, die geradeso von Kirchen wimmelt, einfach ein neues Gotteshaus auszugraben. Weder die Täufer bzw. Wiedertäufer (je nach Blickwinkel) noch der 2. Weltkrieg konnten diesem Reichtum an Kirchen etwas anhaben. Und da die Touristen gerne nach Münster kommen um Kirchen anzuschauen, wird diese auch sehr gerne besucht. Dies zwängt die Parallele zum Fassadenrenovierung der münsteraner Innenstadt nach dem zweiten Weltkrieg geradezu auf. Man fragt sich unweigerlich: Was ist echt und was ist nachträglich auf alt gemacht? Das Kunstwerk spielt mit unserer Wahrnehmung von Authentizität.

31 Square Depression (Quadratische Senkung) von Bruce Nauman

Ein Beitrag zum Themengebiet skulptur projekte, geschrieben am 2. September 2007 von Thomas Günther

Foto: Thomas GüntherIn der Quadratischen Senkung von Bruce Nauman kann man Bezugspunkte verlieren. Dies funktioniert allerdings nur wenn man nicht in einem Menschenpulk die Senke betritt. Es empfiehlt sich also wochentags die Quadratische Senkung von Bruce Nauman als Bestandteil der Skulptur Projekte Münster 07 zu besuchen.

Foto: Thomas G�ntherBei diesem Projekt zeigt sich wie stark ein für den Betrachter vorgegebener Raum seine Wahrnehmung und Deutung des Gesehenen beeinflusst. Somit wird die Raumgestaltung ein wichtiger beeinflussender Aspekt der menschlichen Wahrnehmung. Der Begriff der Depression im Titel des Kunstwerkes von Bruce Nauman kann hier mehrfach wirken. Man versinkt in dieser Senkung. Dabei wird deutlich “wie sehr Perspektive Zwang ist und inwiefern sie Gewalt antun kann”, wie es im Kurzführer zu den Skulptur Projekte Münster 07 heißt. Wenn sich dies mal unter Architekten herumsprechen würde.

02 WC-Anlage am Domplatz von Hans-Peter Feldmann

Ein Beitrag zum Themengebiet skulptur projekte, geschrieben am 1. September 2007 von Thomas Günther

Foto: Thomas GüntherBei dem Projekt “02 WC-Anlage am Domplatz von Hans-Peter Feldmann” auf der Skulptur Projekte Münster 07 liegt der Vorwurf der Trivialität auf der Hand. Vollkommen zu Unrecht. Es wird dem Kunstwerk vorgeworfen, dass ja jeder eine bunte Lampe in eine öffentliche Toilette hängen könnte. Es macht jedoch niemand außer Hans-Peter Feldmann. Und er hat noch andere Dinge mit dem WC angestellt.

Foto: Thomas GüntherSchon der Anblick der Toilettenanlage auf dem Domplatz ist sehr positiv. Wenn man die zuvor schmuddelig erscheinenden Geländer anschaut, so erstrahlen dort herrliche Geranien. Wenn man die Treppe nach unten folgt, kommt man in ein sauberes und geschmücktes WC. Ein bunter Leuchter hängt im Raum. Dazu erschallt eine fröhliche Musik. Hier geht man gerne hin. Skuril ist jedoch, dass die meisten Menschen hier gar nicht einem ureigenen Bedürfnis nachgehen, sondern die Toilette inspizieren und Fotos (vor allem von der Lampe) machen.

Was soll das ganze? Neben einem ganz praktischen Nutzen thematisiert der Konzeptkünstler den Umgang und die Entwicklung des öffentlichen Raums. Viele Toiletten sind verkommen und qua Selbstselektion nur noch von einer bestimmten Bevölkerungsgruppe frequentiert. Zudem kommerzialisiert sich zunehmend das Geschäft mit dem Geschäft. Nach der Umgestaltung von Hans-Peter Feldmann erstrahlt diese öffentliche Toilette aus dem Jahre 1955 (zuletzt renoviert 1987 zu Papstbesuch) in einem neuen Licht.

Foto: Thomas GüntherAuch wenn man diesem Projekt nicht viel abgewinnen kann: Als Münsteraner freut es mich doch immer wieder, dass Touristen nach Münster kommen nur um sich ein vorbildlich gestaltetes öffentliches WC anzuschauen. Und hoffentlich nehmen sie diese Impressionen mit und verschönern die Toiletten überall.